Mittwoch, 9. Oktober 2013

"Mitten ins Gesicht" von Kluun

Fischer-Verlag
368 Seiten
ISBN 9783596169115
Fischer-Verlag
Preis: 8,95€
Taschenbuch


So muss es sich anfühlen, wenn man eine sehr aggressive Art von Brustkrebs hat. Wie ein Schlag... mitten ins Gesicht. Als Carmen ihre Diagnose erfährt, ist sie etwas älter als 30, verheiratet, und hat ein kleine Tochter, ihren Sonnenschein Luna.
Der Tumor ist 13 x 4 cm groß, unglaublich groß. Vor einem halben Jahr war ihr Doktor sich sicher, dass sie zwar etwas gefunden haben, das aber auf keinen Fall bösartig ist. Und nun? Chemo, Bestrahlung, Operation, das volle Programm. Ab jetzt wird gekämpft. Dass es nicht einfach wird, ist klar.
Ihr Mann Stijn versucht, sie nach besten Möglichkeiten zu unterstützen, aber abnehmen kann er ihr das letztlich nicht. Zudem hat er selbst ein Problem: Die Monophobie- die Angst vor dem Allein-sein, in diesem Fall eher die Angst vor der Monogamie, letztendlich also ständiges Fremdgehen... . Und obwohl er weiß, dass seine Frau ihn braucht, kann er sich seiner krankhaften Sucht nicht verwehren. Es ist seine Form, dem Ganzen entfliehen zu wollen. Aber bald merkt er, dass es nichts nutzt, er muss sich dem stellen, genau wie Carmen, auch wenn die Realität grausam ist.

Meine Meinung

Hier wird nichts geschönt, garnichts. Es geht gleich in die Vollen, der Leser hat die ersten Sätze hinter sich und findet sich im Krankenhaus. Kluun hat dabei eine sehr direkte Art, das alles zu beschreiben. Mit klarer, deutlicher, manchmal recht ordinärer Sprache berichtet er schonungslos über die Krankheit seiner Frau genauso wie über sein Fremdgehen. Ja, ich höre schon die Aufschreie: "Was für ein A...!" Genau das ging in mir auch vor. Ich fand Stijn einfach nur widerlich und sein Auftreten sowas von arrogant. Zum Glück ändert sich das im Verlauf, aber es dauert.

Hatte ich mich erst einmal eingelesen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Eigentlich ist es ja auch fürchterlich, solche Bücher gern zu lesen... ein bisschen wie Glotzen auf der Autobahn nach einem Unfall. Ich weiß nicht, wieviel hier Fiktion und wieviel Realität ist, aber das ist auch nicht entscheidend. Es ist auf jeden Fall tragisch und sehr traurig, aber manchmal auch schön, besonders, wenn man liest, wie es den beiden gelingt, einen Weg zu finden, um die verbleibende Zeit zu nutzen und zu meistern. Dabei laufen reichlich Tränen, nicht nur im Buch, aber es gibt auch Absätze, in denen gelacht werden darf.

Unterm Strich

Kein seichtes Dahinplätschern, sondern knallhartes Voranschreiten bis zum bitteren Ende. Und ehrlich? Ich habe schon nach dem 2. Teil Ausschau gehalten. Auch wenn der 1. Teil teilweise sehr ordinär ist, was Sexualität betrifft, werde ich weiter lesen. Für den 1. Teil gibt es 5 Sternthaler von mir.


Der Autor
Kluun, bürgerlich Raymond van de Klundert, geboren 1964, war mal Marketingmensch. Er arbeitete in großen Werbeagenturen und hatte eine eigene Firma. 2001 verlor er seine Frau, die nur 36 Jahre alt wurde. Seine bewegenden Bestseller ›Mitten ins Gesicht‹ und ›Ohne sie‹ wurden in viele Sprachen übersetzt und haben auch in Deutschland außerordentliche Resonanz gefunden. Heute lebt Kluun als Autor und Literaturveranstalter mit seiner Familie in Amsterdam.
www.kluun.nl
Quelle: Fischer-Autorenseite

Vielen Dank an meine ehemalige Stationsärztin Annette, die mir dieses Buch empfohlen hat.

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